Prix Schläfli 2018 Chemie: Xiaojiang Xie

Einen «Vulkan an wissenschaftlichen Ideen» nennt ihn Eric Bakker, sein «Doktorvater» an der Universität Genf. Xiaojiang Xie lacht ein wenig, als er das hört, am Telefon in Shenzen, wo er seit zwei Jahren wieder beheimatet ist. Zuvor forschte er während fünf Jahren in Genf und Paris. Hier hatte er einen Karrierestart hingelegt, der aufhorchen liess – als Postdoc brachte er es bereits auf 20 Publikationen als Erstautor.

Xiaojiang Xie
Bild: Xiaojiang Xie

Offene Ohren für ein solches Jungtalent hatte man auch in China, an der aufstrebenden Southern University of Science and Technology. Er wäre auch gern in Europa geblieben, sagt Xiaojiang, doch sei er wohl einfach zu ungeduldig gewesen – oder die Institutionen in China schlicht forscher und schneller als jene im Westen. Sie haben dem 30-Jährigen einen Posten als Associate Professor angeboten, also forscht Xiaojiang nun wieder in seinem Heimatland, wo es derzeit natürlich wunderbare Möglichkeiten gebe, aber auch einen sehr harten Wettbewerb: «Es gibt sehr viele Jungforscher wie mich, die eine Chance suchen sich zu etablieren.»

Auf sein Forschungsgebiet sei er durch die Arbeiten von Eric Bakker in Genf gekommen. Die Anwendung der analytischen Chemie auf alle möglichen chemischen Sensoren habe ihn inspiriert. Doch dann hat ihn seine Arbeit noch in ein ganz anderes Gebiet davongetragen, Experten nennen es ziemlich poetisch «light harvesting», das Ernten von Licht. In der Biologie gibt es tatsächlich diverse Arten, von Sonnenlicht zu profitieren. Die Photosynthese ist nur eines dieser chemischen Systeme, die Licht in für einen Organismus nutzbare Energie umwandeln. Andere Möglichkeiten sind strukturell verwandt mit den Sensoren, an denen Xiaojiang geforscht hat. Und plötzlich spuckte der Vulkan eine ganz neue Idee aus: Was wenn man diese auf Licht reagierenden Sensoren so umkonzipiert, dass sie nicht primär messen, sondern selbst Energie produzieren? Dabei ist er auf eine fundamentale neue Methode gestossen, die mit etwas Glück eines Tages zur Produktion neuartiger Solarzellen genutzt werden könnte.

Sieht Xiaojiang diese intellektuellen Eruptionen als seine besondere Qualität als Forscher an? Er stutzt ein wenig – natürlich habe er immer wieder Ideen und nicht selten probiert er sie im Labor einfach mal selbst an einem Experiment aus. Aber letztendlich möchte er sich selbst nicht allzu sehr ins Zentrum stellen. «Soll ich Ihnen das Geheimnis meines Erfolgs verraten?» sagt er zum Schluss des Gesprächs. «Es sind all die lebhaften Diskussionen, die ich mit meinen Kollegen und Betreuern hatte.» Wenn er jungen Forschenden erklären müsste, wie eine Karriere wie seine zu erreichen wäre, dann müsste er sagen: Indem man offene Geister trifft, die das «thinking outside of the box» überhaupt möglich machen. Diese habe er in Genf angetroffen, und dafür werde er immer dankbar sein.

Xiaojiang Xie wurde von der Akademie der Naturwissenschaften mit dem Prix Schläfli 2018 in Chemie ausgezeichnet für den Artikel «Photocurrent generation based on a light-driven proton pump in an artificial liquid membrane», den er im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität Genf publiziert hat. Er forscht nun an der South University of Science and Technology in Shenzen.

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